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Interview: Dominik Wagner (Teil 2) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jojo Jacobi   


Interview: Jojo Jacobi
Vielen dank fürs Abtippen an Nikolas Belka!


Wie bist du aufs Skaten an sich gekommen?

Oh..das is ne lange Geschichte...sowas wie Skaten war schon immer meine Sache. Als ich drei war, habe ich das erste Mal Skateboarder in meiner Straße gesehen, die über eine selbstgebaute Rampe gesprungen sind. Der eine wollte über ein Auto springen, nur hat er sich leider beide Beine gebrochen..das fand ich sehr beeindruckend.

Bart: Du hast dir gedacht: Das will ich auch

Ich habe dann selber probiert, mit einem Fahrrad mit Stützrädern über diese Rampe zu fahren, was natürlich nicht so gut funktioniert hat...hehe
Nach ner Zeit hatte ich dann auch irgendwann ein Skateboard und wir sind dann immer in Bremen so einen Betonskatepark gefahren. Irgendwann hörten die Jungs aus meine Straße auf zu skaten und mein Vater kaufte ihnen die Rampe ab...das war zwar nur ne kleine Pissjumpramp aber wenn man bedenkt, dass ich damals nur nen Meter groß war, war das eigentlich für mich schon ziemlich geil! Eigentlich konnte die Rampe nur hoch und runter fahren...ich konnte noch nicht mal rüber springen...man muss dazu bedenken, dass das Skateboard riesig war...nich son Kinderskateboard, wie es sie heute gibt.
Naja, irgendwann kamen dann die ersten Inliner in die Skateparks und dann dachte ich mir, dass ich das auch probieren möchte.

Wann war das genau?
Ich war genau 10 Jahre alt...also war das 94 ...ja und seit dem nahm alles seinen Lauf.

Backside Fiddy Fiddy in Zagreb (Foto: Felix Strosetzki)

Wer war dein erster Sponsor und wie sind die auf dich aufmerksam geworden?
Das war Roces und das ist eigentlich auch durch meine Mutter zustande gekommen...hehe..also wenn ich mal so drüber nachdenke..heehee..hat meine Mutter mir ziemlich viel ermöglicht..Damals war es für jeden der größte Traum mal gesponsert zu werden...und meine Mutter hat bei Roces dann halt einfach mal nachgefragt. Haha...sie hat damals schon ne Email an Roces geschrieben...sie ist ein krasser Computernerd.
Auf jeden Fall war dann irgendwo bei Bremen an einem Autohaus ne Halfpipe Show, wo das ganze Roces Deutschland Team war.

Wer war damals alles in Team?
Boah....das weiss ich gar nicht mehr..eigentlich ist ziemlich viel an mir vorbei gelaufen..alleine dadurch das ich so jung war und im Endeffekt einfach nur skaten wollte..aber die Tatsache das ich nen Sponsor hatte ist damals schon ein krasser Traum gewesen..obwohl ich das gar nicht nötig hatte...es war damals wie heute eher son Prestige ding...man fühlt sich einfach bestätigt, indem was man macht..man reißt halt einfach was und na ja..auf jeden fall hatte ich damals keine großen Verpflichtungen...habe aber Stuff bekommen.

Soul 2 Topsoul in Sarajevo (Foto: Felix Strosetzki)

War da nicht irgendwas mit nem Vertrag, den deine Mutter unterschreiben musste?
Meine Mutter hat damals eben ausgehandelt, dass es keinen Vertrag gibt!

Bart: Wieso das?

Weil sie halt eigentlich nicht wollte, dass ich nicht zu irgendetwas verpflichtet werde.
Sie wollte halt, dass alles auf freiwilliger Basis passiert.

Und wie gings dann weiter?
Der größte Umsprung war eigentlich, dass ich von Half Pipe auf Street gewechselt bin.

Wie bist du zum Halpipe skaten gekommen..hattet ihr eine?
Der nächste Skatepark war halt einfach die Ipunkt Halle in Hamburg und da habe ich dann die Half Pipe für mich entdeckt..als ich das erste mal mit meinem Vater dort war, musste ich auf jeden fall das ding noch droppen...das war früher der größte Nervenkitzel, den du damals bekommen konntest.
Das war zu der zeit aber echt noch mal komplett anders..Heute sind Vert und Street eigentlich komplett verschiedene Welten..damals war noch alles zusammen. Die Contests wurden zusammengelegt, in jeder Halle gabs auch ne Half Pipe.
Auf jeden Fall bin ich irgendwann was das Vertskaten betrifft einfach nicht mehr weiter gekommen..das lag vermutlich daran, dass ich nicht immer die Möglichkeit ne Half Pipe zu fahren...ich musste ja immer nach HH fahren und alle meine Freunde waren Streetskater und mir wurde bewusst, dass ich in der Half Pipe eigentlich nichts mehr machen möchte und habe dann auf Street gewechselt.

Inspin BS Torque 270 out in Belgrad (Foto: Felix Strosetzki)

Was war dann dein nächster Sponsor, also wie ist es dazu gekommen?
Irgendwann mit 15/16 war ich dann irgendwie ziemlich unzufrieden mit Roces Skates und Uwe Kirsch von Sport Berntheusel, der gerade nach Bremen gezogen war, um nen neuen Shop in der Skatehalle zu managen hat mich in sein Team aufgenommen. Das war auch das erste Mal, dass ich in meiner Heimatstadt die Möglichkeit vernünftig zu skaten...in dieser Zeit habe ich echt am allermeisten in meiner kompletten Skatekarriere gelernt. Dadurch dass ich für SB gefahren bin, konnte ich mir letztendlich den Skate aussuchen, den ich fahren wollte und die Reisen habe ich trotzdem bezahlt bekommen. In der Zeit war ich dann auch viel mit Benny H., Konny H, Chris Weber und den ganzen anderen alten Frankfurtern unterwegs...das war echt ne ziemlich coole Zeit.
Irgendwann hat Uwe dann auch den Vertrieb von Razors übernommen, weswegen ich dann ziemlich lange Razors gefahren bin. Aber als dann der erste UFS REMZ raus kam, war ich ziemlich gestoked und wollte das Ding unbedingt fahren. Da musste ich Uwe echt fast überreden, dass er den Skate überhaupt bestellt...tja..und wie ihr seht, fahre ich seitdem nix anderes!

Wie is dann der Kontakt mit Kato von Remz zustande gekommen?
Kato is halt mit Franky und Haffey durch Deutschland getourt..aber da hat sich eigentlich nicht viel verändert..habe die Jungs halt kennen gelernt...aber der Kontakt war ja vorher durch Emails usw schon da.Irgendwann is der Kontakt dann intensiver geworden und wurde dann selbstverständlich, dass Kato wenn er in Europa war probiert hat sich mit mir zu treffen.

Und als Uwe aus dem Inline Biz. Ausgestiegen ist, war es aber trotzdem klar, dass du weiterhin im Team bist, oder?
Ja, das ist direkt ineinander über gegangen....darüber wurde nie groß gesprochen.

Hast du jemals Geld von deinen Sponsoren bekommen?
Seit diesem Jahr gibt’s etwas von REMZ und bei Roces gab es immer so Prämien, für gute Platzierungen bei Contests...habe leider nur einmal ne Prämie bekommen weil als es bei mir richtig los ging diese Prämien gestoppt wurden!

180 Gap in Split (Foto: Felix Strosetzki)

Und wie biste dann zu Ignition gekommen?
Eigentlich durch dich Jojo.

Ich musste dich damals glaub fast überreden...
Das war halt zu der Zeit, als Uwe mit Railkiller gescheitert ist und sich komplett aus dem Skatebereich zurück gezogen hat. Das war zwar ziemlich traurig, aber für Uwe als Mensch hat es sehr viel gebracht. Eigentlich muss man ihm ziemlich dankbar sein, weil er nie selber geskatet ist und er war trotzdem jemand, der immer sehr dran geglaubt hat und einfach Spass dran hatte immer mit uns unterwegs zu sein aber irgendwann hat er gemerkt, dass es ihn nur noch fertig macht. Als es dann mit der Industrie immer mehr bergab ging, war es einfach am besten für ihn sich zurückzuziehen.
Das war natürlich nicht ganz einfach, da Uwe und Leo ja quasi schon Konkurrenten waren...weil ich eigentlich ein sehr loyaler Mensch bin..gerade was Sponsoren angeht extrem und mich Uwe ja immer extrem unterstützt hat.
Da ich aber sehr viel mit dir unterwegs war und du gerade Ignition Teammanager geworden bist ist es eigentlich dadurch zustande gekommen. Wir hatten halt in der zeit viel miteinander zu tun aber wir hatten nie die Basis, dass wir wirklich was miteinander zu tun hatten..wir kannten uns halt von Touren und Events. Das war dann hat nochmal ne große Chance, die ich dann auch war genommen habe...glücklicherweise!

Oh man...den Mist ab zu tippen wird so hart!!!!!!!!
Nacke (der Abtipper): DANKE ARSCHLOCH

Stale Transfer in Berlin (Foto: Sascha Krautz)

Wie findest du Skaten heute? Fühlst du dich deinen Sponsoren gegenüber verpflichtet was zu leisten oder Skatest du nur aus Spass?
Es gibt schon Situationen, gerade da ich jetzt im Pro Team bin und ein bisschen Geld dafür bekomme, die Reisen und die Skates gezahlt bekomme....und ich meine..Jacob und ich sind die einzigen Pro Skater in Europa, was schon bedeutet, dass wir hart representen müssen. Aber manchmal schaffe ich es einfach nicht aufgrund meiner Ausbildung, dass ich zu jedem Contest fahre zb. stehen gerade einige Contests an aber ich muss mich nun leider auf meinen Schulkram konzentrieren..so gerne ich fahren würde.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich dadurch das ich nach Berlin gezogen bin einfach mehr genießen kann, da hier Leute sind, die auf meinem Level fahren...Sessions hier pushen mich einfach viel mehr. Es is aber nicht nur das Skaten...wir labern, gehen danach ein Bier trinken und danach Party machen..sowas hatte ich davor nie so intensiv.

Ist dir selber bewusst, auf was für einem Level du fährst oder denkst du, dass du den Leuten etwas beweisen musst?
Ja, ich geh grundsätzlich entspannt an dich Sache ran...weil ich mir denke, dass unter extremen Druck kommt nichts Gutes zustande...das heisst einfach locker bleiben...das is ja eh das wichtigste beim Skaten...Natürlich ist skaten körperlich anstrengend aber ich meine, wenn man es sich zu hart geben muss um irgendwelchen Leuten etwas zu beweisen, dann macht es kein Sinn. Ich probier einfach mein Ding durchzuziehen und auf alles andere zu scheißen.

Bist du der Meinung, dass Pro Skater Vorbilder sein sollten? Ich erinnere mich an deine Aussage: „Winning a competition without getting wasted the night before is cheating“.
Ich sach einfach mal : Locker bleiben..wir sind Skater. Klar gibt es auch die 12 jährigen Kids, die das hören. Eigentlich geht es doch jedem so...so bald man älter wird, fängt man irgendwann an Party zu machen und das gehört einfach zu unserem Leben...das hört sich jetzt total bescheuert an..haha...aber es is die Realität..ich bin ja kein Politiker..ich meine, ich bin jung. Es ist einfach Skaten...man macht was man will. Es ist ja schließlich nicht so eine super professionelle Sportart...es ist LIFESTYLE....hahahahahaha

Bart: Es is ja auch nicht so, dass alle dabei auf dich schauen...wenn wir unterwegs sind, dann passiert es ja und nicht direkt vor den Kids.

Z.B.als wir in Polen waren, dachte ich mir, dass ich echt ein bisschen locker machen möchte, nur kamen alle gleich an und haben mir die Wodka pulle inne Hand gedrückt! Was soll ich da machen?

Bart: Man will ja nicht unfreundlich sein!

Es ist ja nicht so, dass ich der Einzige bin, der Saufen geht.

Nature Drop in Götheburg (Foto: Alex Schneider)

Was gibt’s neben dem Skaten? Was ist mit Surfen zb?
Surfen an sic macht ja eigentlich Spass...aber eigentlich finde ich es richtig scheiße...Also alles was damit zu tun hat...ich finde die Leute scheiße, und es is mir ehrlich gesagt viel zu anstrengend. Ich bin ein Mensch, wenn ich einen Sport mache, dann möchte ich das wann und wo ich möchte machen können.

Also ist es einfach zu viel Aufwand, wenn du in Deutschland wohnst?
Genau...aber es ist ja nicht so, dass ich jetzt weniger Aufwand betreibe um skaten zu gehen...ich meine, ich fliege um die halbe Welt um in einem scheiß Skatepark zu fahren...aber es ist hat nicht die einzige Möglichkeit es zu machen!
Beim Surfen bist du abhängig von den Wellen, es sind viel zu viele Leute im Wasser, du kannst nicht wo anders hin....ne quaterpipe is halt immer da..du kannst immer rein droppen, wann du willst...aber ne Welle muss erstma kommen und dann musste die Scheiße erstma kriegen.

AO Fishbrain in Berlin (Foto: Sascha Krautz)

Was ist mit Musik, hat das mehr Bedeutung für dich?
Zeitweise habe ich mich über meinen Musikgeschmack identifiziert...halt dieses ganze Rock`n Roll scheiß Zeug...aber mittlerweile würde ich eher sagen, dass ich mich übers Skaten identifiziere, obwohl das auch nicht wirklich stimmt. Ich bin einfach der Meinung, dass man sich nicht einschränken sollte, weil das Leben so facettenreich ist. Man sollte nicht zu doll in irgendwelchen Sachen aufgehen...man sollte einfach offen bleiben.

Du meinst so Leute wie Thomas Thellmann...die sich einfach nur über ihren Sound identifizieren?
Ja, das ist irgendwie so ein bisschen Nazidenken..ich kann ja irgendwie auch verstehen, dass man sich krass für etwas fasziniert..es ist schon ok..aber ich finde es schade, wenn man alles andere vergisst.

Also ist Musik nicht so wichtig für dich?
Doch voll, ich höre super viel Musik und höre auch super gerne Musik aber es ist nicht so, dass ich mich darüber definiere.

Teil 3 des Interviews in den kommenden Tagen!

AO Topsoul in Berlin (Foto: Sascha Krautz)
 
Soul 2 Gap in Stuttgart (Foto: Alex Schneider)
 
Topacid bei Stuttgart (Foto: Alex Schneider)
 
Wallride in Berlin (Foto: Alex Schneider)
 
Disaster Topsoul Stall im Ruhrpott (Foto: Alex Schneider)
 
Judging in Belgrad (Foto: Felix Strosetzki)
Kommentare
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Little Paddy 2010-02-05 18:43:52

seeeeehr seeeeeeehr schön !!!!!!!!!!!!
jensandthebunnymen 2010-02-05 20:19:31

so viele tolle Fotos. Va der 270 backtorque... wow..
Hans im Glück 2010-02-08 06:27:36

Zweite Teil war auch fett!! Freu mich auf den dritten! :-)
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